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Tatort Museum

Kunstschätze im Wert von Millionenhöhe machen Museen immer wieder zur Zielscheibe von Überfall und Raub. Museumsfuehrer.de hat auf dieser Seite Kriminaldelikte der deutschsprachigen Museumslandschaft zusammengestellt. Die Liste beginnt mit einem historischen Verbrechen von einmaliger Größenordnung.


Beutekunst"Beutekunst"

Der größte Kunstraub aller Zeiten

Beutekunst In Kriegszeiten galt der Raub von Kunstschätzen schon immer als besondere Erniedrigung des Feindes. Im sogenannten dritten Reich wurde diese Art der Kriegsführung nicht ausgelassen und zahllose Kunstwerke und Kunstschätze wurden beschlagnahmt. Solange sie nicht in die Hände ihrer Besitzer bzw. deren Erben zurück gekehrt sind, gelten sie bis heute als „Beutekunst“.
Dazu gehören zum einen viele expressionistische Kunstwerke, die als „entartet“ verfemt wurden. Man entfernte sie aus öffentlichen Ausstellungen und trug sie aus den Ateliers ihrer Schöpfer fort. In noch größerem Maße geriet der Kunst-Besitz jüdischer Eigentümer bzw. politisch Verfolgter in die habgierigen Hände der Nazis.
Während des Krieges machte sich die Wehrmacht außerdem über Museen und Kunststätten im „Feindesland“ her.
Die geraubten Kunstobjekte gerieten häufig auf dunkle Wege, die schwer nachvollziehbar sind. Nachkommen und Erben strengen bis heute Fahndungen nach den verschollenen Werken an.
Im September 2004 wurde das Thema „Beutekunst“ Gegenstand der öffentlichen Diskussion, als die Friedrich Christian Flick Collection im Berliner Kunstmuseum „Hamburger Bahnhof“ eröffnet wurde. Der Verdacht, daß es sich bei manchen Kunstwerken aus dem Erbe des Großindustriellen Flick um Beutekunst handelt, konnte nicht ganz ausgeräumt werden.

BernsteinzimmerDas Bernsteinzimmer von Petersburg

Bernsteinzimmer Eins der berühmtesten Beispiele von Beutekunst ist das Bernstein-Zimmer von Petersburg. Dabei hatte seine Geschichte mit einer Schenkung aus Deutschland begonnen. Im Jahre 1717 empfing Katharina die Große eine Karawane von Postkutschen aus Berlin-Charlottenburg. Der preußische König schenkte ihr die komplette Wandverkleidung für einen Empfangssaal. Einziges Material: Bernstein. Die russische Zarin stellte außerdem Vitrinen mit Bernstein-Schnitzereien aus. Das einmalige Gesamtkunstwerk wurde von gern als „8. Weltwunder“ bezeichnet.
Während der Besetzung von St. Petersburg, damals Leningrad, konnten die beweglichen Ausstellungsstücke vor den Nazis in Sicherheit gebracht werden. Die gesamte Raumverkleidung wurde jedoch von der Wehrmacht demontiert und nach Deutschland gebracht. Seit 1945 gilt das Bernsteinzimmer als verschwunden. Weltweit fahnden Kunstdetektive nach Hinweisen auf den Verbleib der Wand- und Deckentäfelung. 2002 führte angeblich eine heiße Spur zu einem Kloster in Mitteldeutschland. Seitdem hat man kaum etwas Neues gehört.
In Petersburg wurde das Bernsteinzimmer inzwischen nach historischen Fotografien wieder aufgebaut und zum 300-jährigen Geburtstag der Stadt Petersburg eröffnet. Der deutsche Bundeskanzler wohnte dem Ereignis bei.

Weitere Informationen finden Sie auf
www.bernsteincabbinet.de

Die Kunstliebe des Stephane BreitwieserKriminell und tragisch

Die Kunstliebe des Stephane Breitwieser

Die Kunstliebe des Stephane Breitwieser Von 1995 bis 2001 zog der Elsässer Stephane Breitwieser durch die Museen Europas und stahl mit Hilfe eines Autoschlüssels und eines Taschenmessers 239 Gemälde und Objekte, die er unterm Mantel versteckt nach Hause trug. Als Grund für seine Museums-Kleptomanie gab er eine seltsame Liebeserklärung für die Kunstwerke ab: Er habe sie in seine Obhut bringen müssen, da er das Gefühl hatte, nur in seiner Nähe wären sie wirklich sicher.
Der psychisch offenbar angeschlagene Kunstdieb wurde von seiner Mutter auf eine harte Probe gestellt: Als sie von der Verhaftung ihres Sohnes erfuhr, zerschredderte sie dessen Beute, darunter Werke von Breughel und Cranach, bzw. versenkte die kompakteren Teile in einem Fluß. Der Sohn unternahm daraufhin einen Selbstmordversuch.
Im Januar 2005 wurden Sohn und Mutter zu je drei Jahren Haft verurteilt.

KunstraubHeiße Ware, kaltes Geld

Der Deal mit der Versicherung

Kunstraub Die Liebe zur Kunst ist nur selten das Motiv von Kunsträubern bzw. ihren Auftraggebern. Von höchstem Interesse für Diebe sind Kunstwerke, die mit hohen Summen versichert sind. Bestes Beispiel ist der Kunstraub während einer Themen-Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle „Schirn“ im Jahr 1994. Die Diebe bezahlten eine normale Eintrittskarte und versteckten sich im Museum, bis die Eingangstüren abgeschlossen wurden. Sie überwältigten den Wärter, bevor er den Nachtalarm einschalten konnte und fuhren danach mit Leihgaben der Londoner Tate-Galerie im Versicherungs-Wert von rund 35 Millionen Euro davon. Nach geheimen Verhandlungen über Mittelsmänner erhielt das Londoner Museum seine Bilder zurück. Dabei sollen von Seiten der Versicherung stattliche Lösegelder an die Diebe geflossen sein.
Kunsträuber spekulieren darauf, daß eine Versicherung es vorzieht ein Lösegeld zu zahlen, die festgelegte Versicherungssumme deutlich unterschreitet. Im spektakulären Kunstraub von Oslo 2004 trat das eiskalte finanzielle Interesse der Räuber buchstäblich zu Tage. Der Gemälde-Raub durch bewaffnete maskierte Männer während der normalen Öffnungszeiten glich bereits einem Bank-Überfall.
Die Pläne der Kunsträuber werden jedoch häufig von zähen Verhandlungen und schnellen polizeilichen Ermittlungen durchkreuzt. So kann es dazu kommen, daß die Diebe ihre heiße Ware nur noch loswerden wollen. Beim letzten großen Kunstraub in Deutschland ist genau das geschehen. Der Bilder-Diebstahl im Berliner Brücke Museum 2002 endete mit der baldigen Verhaftung der Täter. Diese hatten bereits damit begonnen, ihre Beute zu vernichten, bzw. im Wald „auszusetzen“. Deutliche Zeichen, daß von Liebe zur Kunst keine Rede mehr sein konnte.

Der bestohlene Udo

Wie man aus Versehen klaut

Der jüngste medienwirksame Kunst-Diebstahl in Deutschland ist von grandioser Harmlosigkeit. Eine Dresdner Galerie stellte im Oktober 2005 Aquarelle des deutschen Rockstars Udo Lindenberg aus. Als am Abend zwei Werke aus der Hand des malenden Sängers fehlten, war für helle Aufregung gesorgt. Sofort wurde eine Fahndung ausgelöst und die Medien veröffentlichten Fotografien der vermißten Kleinbilder.
Am nächsten Tag meldete sich, leicht verlegen, ein Ehepaar bei der Polizei. Sie hatten die Werke, die auf einem Tisch neben verschiedenen Prospekten lagen, für Werbe-Material gehalten und sorglos in ihre Taschen gesteckt.

Wer gerne mehr über das Thema Kunstraub lesen möchte, findet hier noch ein paar Tipps:

Ende gut, alles gut - ein weiterer Kunst-Diebstahl mit erfreulichem Ausgang unter
www.mediendenk.com

Hier stehen Berichte über die letzten großen Kunstdiebstähle in Europa
www.br-net.de

Wie die großen Tageszeitungen vom Kunstraub in Oslo berichteten.

FAZ
www.faz.net
Berliner Tagesspiegel
www.tagesspiegel.de

Die Kunst-Fahndungslisten des BKA werden seit 2002 aus „fachlichen“ Gründen nicht mehr ins Internet gestellt. Die Listen bis 2001 sind hier einsehbar.
www.bka.de

Polizeiliche Kunstfahndungslisten der Länder
www.polizei.sachsen-anhalt.de
www.polizei-bw.de/fahndung/

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