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Stiftungen für die deutsche Kulturlandschaft

Wie finanzieren sich die zahlreichen Museen Deutschlands eigentlich? Auf diese Frage würden wohl viele spontan antworten: Mit Eintrittskarten und Steuergeldern. Doch so einfach ist es nicht. Schon früh haben engagierte Bürger verstanden, dass man die Bewahrung humanistischer und kultureller Werte nicht allein dem Staat überlassen kann. Und das hat sich bis heute gehalten.


Eine kurze Geschichte der Stiftungen

Goethes Gartenhaus in WeimarSchon am Ende des ersten Jahrtausends wurden die ersten Stiftungen zu gemeinnützigen Zwecken gegründet. Wohlhabende Bürger wollten ihren Reichtum nicht für sich behalten, sondern damit Gutes tun, meist mit dem erhofften Nebeneffekt, damit zu höherem Ansehen oder einfach zum inneren Seelenheil zu gelangen.
Die Stifter ließen auf eigene Kosten Kirchen und Klöster errichten, aber auch Spitäler für Arme, Waisenhäuser und Wohnsiedlungen. Die älteste bekannte Stiftung war die Bürgerspitalstiftung im bayrischen Wemding, die bereits vor dem Jahre 1.000 gegründet wurde.

In späteren Jahrhunderten entwickelte sich die Spendenpraxis der Stiftungen. Engagierte Stifter setzten sich für den Zweck ihrer Stiftung ein und sammelten bei wohlhabenden Bürgern Geld für ihr humanistisches Vorhaben. Besonders in Krisenzeiten, in denen die Möglichkeiten der Staaten geschwächt waren, bemühten sich Stifter erfolgreich um die Sicherstellung humanitärer Leistungen und den Erhalt kultureller Werte. So gehören Stiftungen auch zu den konstantesten Institutionen Deutschlands. Die prominenteste Stiftung aus dem 17. Jahrhundert ist die Franckesche Stiftung in Halle, gegründet 1698, die noch heute von Bedeutung ist.

Heute gibt es verschiedene Formen der Stiftungen, so z.B. die Stiftungen von Bund und Ländern, Stiftungen berühmter Persönlichkeiten, Stiftungen von Unternehmen und Bürgerstiftungen.

Der Stiftungscharakter einer Organisation wird anerkannt, wenn die Gelder aus Spenden, öffentlichen Zuwendungen und ggf. eines Nachlasses nachweislich zur Erfüllung eines gemeinnützigen Stiftungszweckes dienen und dabei kein Profit für Privatpersonen entsteht. Dafür werden Stiftungen von Steuern befreit und sind berechtigt, Spendenbescheinigungen auszustellen, die wiederum die steuerliche Situation des Spenders erleichtern.

Traditionelle Stiftungen

August Hermann Francke setzte sich für die Errichtung eines Waisenhauses, einer Schule und eines wissenschaftlichen Institutes ein. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges entstanden mehrere Franckesche Stiftungshäuser, die sich auch der Lehrerausbildung widmeten. Nach dem Krieg, während der DDR-Jahre, verloren die Häuser ihre Bedeutung vollkommen. Doch bereits 1991 wurde der Stiftungsgedanke wieder aufgenommen. Seitdem sind die Franckeschen Stiftungen zu Halle ein Stiftungszentrum, das sich neben der Förderung sozialer Anliegen auch der Wissenschaft- und Kulturförderung widmet.
http://www.francke-halle.de/main/

Das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt/Main entstand 1816 durch die testamentarische Verfügung des Kunstsammlers Johann Friedrich Städels. Das heutige Kunstmuseum gehört damit zu den ältesten Kunststiftungen Deutschlands.
http://www.staedelmuseum.de/sm/

Kulturstiftungen von Bund und Ländern

Kulturstiftungen haben den Vorteil, dass sie anders als etwa der Jahreshaushalt einer Kulturbehörde, aus verschiedenen Quellen finanziert werden können. So ist z.B. ehemaliges DDR-Staatseigentum in solche Kulturstiftungen übergegangen. Zu den großen Kulturstiftungen von Bund und Ländern gehören unter anderem die folgenden Institutionen.

Kulturstiftung der Länder

Die Kulturstiftung der Länder setzt sich für die Erhaltung und Förderung der Kultur in Deutschland ein. Sie organisiert finanzielle Mittel für den Stiftungszweck, tritt in kulturellen Zusammenhängen auch politisch auf und fördert gezielte Projekte. Für die Museumslandschaft ist der deutsch-russische Museumsdialog von großer Bedeutung. In diesem Projekt setzt sich die Kulturstiftung für Lösungen im Streit um die sogenannte "Beutekunst" ein.
http://www.kulturstiftung.de

Kulturstiftung des Bundes

Diese Stiftungseinrichtung des Bundes hat sich im historischen Gebäude der Franckeschen Stiftungen in Halle niedergelassen. Sie setzt sich in erster Linie für den Ankauf von Kunstwerken für die deutsche Museumslandschaft ein.
http://www.francke-halle.de/main/

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Das kulturelle Erbe Berlins und seiner Umgebung wird von dieser Stiftung verwaltet. Besonders nach dem Ende der DDR bot die Rechtsform dieser Stiftung gute Möglichkeiten, um den Schutz des Nationalerbes, das bisher vom DDR-Staat verwaltet wurde, in gute Hände zu geben. Die Stiftung betreut einige der bedeutendsten Kulturschätze der BRD.
http://www.hv.spk-berlin.de/deutsch/

Hamburger Museumsstiftungen

Sieben der größten Hamburger Museen werden von Museumseigenen Stiftungen verwaltet. Allerdings sieht sich die Stadt Hamburg in der Pflicht, den Erhalt der Museen mitzufinanzieren. So werden eventuelle Haushaltslöcher durch den kommunalen Haushalt ausgeglichen. Die Stiftungsform setzt aber ein selbständiges Fundraising voraus.
http://www.hamburg-magazin.de/

Klassikstiftung Weimar

Laut einer Umfrage ist Weimar die Stadt mit der höchsten Anzahl an Museumsbesuchen pro Einwohner, wobei die Zahl natürlich von den vielen Weimar-Gästen geschaffen wird. Schließlich fährt man in die Stadt der deutschen Klassik, um die Museen der Nationaldichter, -denker und –komponisten zu besuchen. Verwaltet werden die nationalen Schätze von der Klassikstiftung, die sich aus den unterschiedlichsten Quellen finanziert.
http://www.klassik-stiftung.de/

Stiftungen großer Unternehmen

Museumsstiftung der Deutschen Post

In Deutschland gibt es vier Museen, in denen die spannende Entwicklung der Kommunikationstechnologie verfolgt wird. Angesichts der rasant wachsenden Bedeutung von Handy, Internet und Blackberry, leisten diese Museen einen großen Beitrag zum Verständnis unserer heutigen Alltagskultur. Gründer und Betreiber der "Museen für Kommunikation" in Hamburg, Berlin, Frankfurt und Nürnberg ist die Museumsstiftung der Deutschen Post.
http://www.museumsstiftung.de/stiftung/

Stiftung Kunstpalast

Auch andere große Unternehmen zweigen einen Teil ihres Gewinns für die Museumskultur ab. So wird z.B. der renommierte Düsseldorfer Kunstpalast von großen Unternehmen wie E.ON und der Metrogroup mitfinanziert.
http://www.museum-kunst-palast.de/

IT-Spenden für Stifter

Das Unternehmen Microsoft fördert zwar keine eigene Kultureinrichtung, dafür realisiert es in den USA bereits seit Jahren ein sehr sinnvolles Spendenprogramm.: Es gibt IT-Produkte kostenlos an gemeinnützige Unternehmen ab. Für Einrichtungen, die von Spendengeldern leben, bedeutet das: Sie weisen nach, dass sie innerhalb des Spendenprogramms empfangsberechtigt sind, zahlen eine Bearbeitungsgebühr und erhalten kostenlos das Gerät bzw. die Software, die sie in ihrem Büro brauchen. Einsparung in der Regel 95 %. Das Programm wurde 2008 für Deutschland eröffnet und wird vom Stiftungszentrum Stifter helfen organisiert. Dem Spendenprogramm haben sich auch die Unternehmen Cisco und Business Objects angeschlossen.

Stifter und gemeinnützige Vereine, die Hard- oder Software benötigen, sollten auf folgender Internetseite weiterlesen:
http://www.stifter-helfen.de/

Stiftungen bedeutender Persönlichkeiten

Schillerstiftung

Mit Mitteln aus dem Nachlass des großen Klassikers werden moderne literarische Projekte finanziert. Am Stiftungssitz in Marbach entstand nun auch das Deutsche Literaturarchiv Marbach, im Museum kann man u.a. die Originalmanuskripte von Schiller bewundern.
http://www.schillerstiftung.de/

Zeit-Stiftung

Diese Stiftung ist gleichzeitig mit einer großen Persönlichkeit und einem Unternehmen verbunden. Der erste Herausgeber der Zeit, Gerd Bucerius, der sich schon zu Lebzeiten als Kunstmäzen betätigt hat, vererbte sein Vermögen und seine Kunstsammlung der Zeit-Stiftung und ermöglichte ihr damit die Eröffnung eines Kunstmuseums sowie die Unterhaltung weiterer kultureller und wissenschaftlicher Projekte.
http://www.zeit-stiftung.de/home/start.php

Museums-Fördervereine

Gerade die Landschaft der vielen kleinen Museen würde es überhaupt nicht geben, würden sich nicht zahllose Gönner und Spender für sie einsetzen. Hier einige Beispiele:

Jüdisches Museum Berlin

Das Jüdische Museum Berlin mit seiner einzigartigen Form der Erinnerungskultur lebt von spendenfreudigen Fördermitgliedern und von Sponsoren. Es existiert als Stiftung und wird von mehreren Fördervereinen und Freundeskreisen unterstützt.
http://www.jmberlin.de/site/DE/homepage.php

Kurt-Tucholsky-Museum Rheinsberg

Für alle, denen der bissigste Satiriker aus den Berliner Zwanziger und Dreißiger Jahren ein Begriff ist, ist dieses Museum ein unbedingtes Muss. Es befindet sich ganz idyllisch direkt am Rheinsberger See und hält sich Dank seines Förderkreises auch gut über Wasser.
http://www.tucholsky-museum.de/

Karl-Valentin-Musäum

Auch die Erinnerungsstätte an den originellsten aller Münchner Komiker kommt nicht ohne Spenden von Musäumsliebhabern aus.
http://www.valentin-musaeum.de/

Fördervereine Bildende Kunst

Kunstliebhaber wussten schon immer, das Kunst nicht ohne Geld entsteht. Deshalb sind die Fördervereine für Museen der Bildenden Kunst wohl auch so gut organisiert. Auf der folgenden Internetseite finden Sie eine Liste der Mitglieder des Bundesverbandes:
http://www.bundesverband-der-foerdervereine.de/satzung.html

Bürgerstiftungen

Seit zwanzig Jahren ist der Stiftungsgedanke unter der wohlhabenden Bevölkerung wieder neu erblüht. Immer mehr Leute, die in den letzten Jahren zu einem mehr oder weniger großen Vermögen gelangt sind, erinnern sich an den ursprünglichen Gedanken, dass Vermögen auch die Möglichkeit bedeutet, das zu fördern, was man persönlich für wichtig hält. 2007 haben sich innerhalb eines einzigen Jahres so viele Bürgerstiftungen gegründet wie in den Siebziger und Achtziger Jahren insgesamt! Dabei widmet sich ein Teil der Stiftungstätigkeit auch dem kulturellen Leben im Land.

Allein über fünfzig Bürgerstiftungen in Deutschland setzen sich für Museumsprojekte ein.
Ein weiterer auffälliger Schwerpunkt liegt auf der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen.
Von der Initiative Aktive Bürgerschaft können Stifter den Jahrespreis für die beste Stiftungsidee bekommen. Den Förderpreis 2009 erhielt die Bürgerstiftung Leipzig für ihr Projekt "Musik macht schlau". Der Instrumentenunterricht für vierzig mittellose Kinder wurde u.a. durch eine Spende der Teeny-Band "Tokio-Hotel" finanziert.

Beim Bundesverband der Stiftungen können Sie sich über die Organisationsform der Bürgerstiftungen informieren und finden eine Liste von Bürgerstiftungen in Deutschland.
http://www.stiftungen.org/index.php

Auf den Seiten der "Aktiven Bürgerschaft" erfahren Sie Neues über aktuelle Projekte der deutschen Stiftungen.
http://www.aktive-buergerschaft.de/vab/

Und hier geht’s zur Seite des Stiftungspreisträgers 2009 "Musik macht schlau"
http://www.buerger-fuer-leipzig.de/